Ein historischer Erbstollen im Hohwald

Über ein besonders interessantes Zeugnis historischer Bergbautätigkeit im Hohwald soll an dieser Stelle berichtet werden – ein typischer kleiner Stollen mitten im Hohwald. Aus Gründen der Vandalismusprävention werden die genauen Ortsangaben hier nicht genannt. Die Lage dieses Stollens wurde durch private Forschungen eines Mitglieds des Bergbau-Traditionsvereins Hohwald e.V. erschlossen. Schon in seiner Kindheit zu DDR-Zeiten hatten Kinder viel Zeit im Hohwald verbracht. Dabei rankten sich zahlreiche Geschichten über Goldbergwerke, geheime Stollen und verborgene Schätze – der Wald war ein riesiger Abenteuerspielplatz. Auch diese Stelle im Wald fiel durch eine Halde und eine Mulde auf, aus der im Sommer sauberes Wasser floss und im Winter der Rauhreif wunderschöne Kristalle erzeugte. Neugierige Grabungen bestätigten schließlich: es war tatsächlich ein Stollen. Da das gesamte Grubenwasser aus dem Stollen in den Wald floss, wurde die Anlage schließlich entdeckt. Nach Intervention der Forstbehörde wurde der Stollen wieder verschlossen und fast vergessen.

Wiederentdeckung und Öffnung des Stollens

Zu Gründungszeiten des Vereins erinnerte man sich wieder an diese Anlage. Im Jahr 2004 wurde die Grube mit Genehmigung der Forstbehörde wieder geöffnet. Unterstützt durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde die Rösche beräumt. Bei der Öffnung zeigte sich der Stollen vollständig trocken, und abgesehen vom vorderen Bereich gab es keinen Verbruch. Der gesamte Stollen ist per Handarbeit mit Schlägel und Eisen aufgefahren worden. Hinweise, die eine ungefähre Datierung ermöglichen würden – wie Bohrlöcher für Schwarzpulverladungen oder eingehauene Zeichen – konnten nicht gefunden werden. Auch in den historischen Unterlagen zum Bergbau im Hohwald finden sich keine konkreten Angaben zu Name oder Betreiber dieser Anlage. Eine Schrift aus dem Jahr 1758 erwähnt einen alten, bereits verbrochenen Stollen in dieser Gegend, der damals nur noch als „Bergloch“ bezeichnet wurde. Dies deutet darauf hin, dass das Bergwerk schon damals lange verlassen war und niemand mehr darüber Bescheid wusste.

Der Stollen wurde ca. 32 Meter tief in Granodiorit aufgefahren. Abgesehen von einigen kleinen Basaltgängen finden sich keine Spuren einer gangförmigen Mineralisation oder von Erzgewinnung. Zusammen mit der oberhalb gelegenen Schachtpinge, unter welche der Stollen nachweislich verläuft, lässt dies die Vermutung zu, dass es sich um einen Entwässerungsstollen handelt. Vermutlich könnte er das weiter oben gelegene Grubenfeld entwässert haben. Da sich oberhalb ein Gabbrovorkommen befindet, welche gerne wegen dessen Erzgehalt unterfahren wurden, ist diese Annahme plausibel – jedoch nicht eindeutig beweisbar.

Über der Pinge errichtete der Verein in zahlreichen Arbeitsstunden eine kleine Kaue und beräumte den alten Schacht einige Meter. Außerdem wurden Infotafeln aufgestellt, die Interessierten Einblicke in den Bergbau und das Leben der alten Bergleute ermöglichen. Dieses historische Grubenfeld wird heute durch regelmäßige Arbeitseinsätze der Vereinsmitglieder gepflegt und erhalten. So bleibt ein wichtiger Teil der Bergbaugeschichte des Hohwaldes für die Nachwelt zugänglich.

Durch Mitglieder des Höhlen- und Karstforschung Dresden e.V. erstellte Zeichnung.
Durch Mitglieder des Höhlen- und Karstforschung Dresden e.V. erstellte Zeichnung.

Schematische Darstellung des Grubenfeldes

Dieser Stollen ist aber auch Lebensraum zahlreicher zum Teil seltener Tierarten. So überwintern hier unter anderem Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) und die Nachtfalterart Zackeneule (Scoliopteryx libatrix).

 

Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen
Fledermaus im Stollen

Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule
Zackeneule


Schwarzer Schnegel
Schwarzer Schnegel
Kleines Kunstwerk
Kleines Kunstwerk
Schwarzer Schnegel
Schwarzer Schnegel