Der Bergbau von Ober-/ Niederottendorf

Blick auf Ober-/ Niederottendorf
Blick auf Ober-/ Niederottendorf

Ein in der Nähe von Oberottendorf fließendes Bächlein trägt die Bezeichnung „Rote Pfütze“. Nach überlieferten Berichten sollen hier einst die geheimnisvollen Venezianer, auch Walen genannt, große Schätze gewonnen haben.
In einem sogenannten „Walenbüchlein“ findet sich dazu folgender Eintrag:
„…bey Ottendorff, da ist eine Pfütze hat roth Wasser, darinnen ist groß guth und niederwarz wohl gelegen, ein gewende breit, da ist eine Gruben vormacht darinnen ist viel O.“
Es wird vermutet, dass mit dem Zeichen „O“ Gold gemeint sein könnte. An einzelnen Stellen entlang des Bachlaufes und seiner Zuflüsse lassen sich noch heute kleine Reste von Seifenbergbau erkennen. Direkte Hinweise darauf, aus welcher Zeit diese Spuren stammen, sind bislang jedoch nicht bekannt.

Kurfürst Johann Georg II.
Kurfürst Johann Georg II.

Am 26. Juni 1676 befahl der sächsische Kurfürst Johann Georg II. dem Berggeschworenen Christoph Brummet aus Glashütte, dass er sich „nebst einen erfahrenen Ruthengenger und guten Hayen aufn Hochwald begeben, und allda nicht allein mit Schürffen, Seiffen und waschen auf allerhand hohe Metallen und Edelgesteine, sondern auch Salzquelle und Brunnen nachsuchung undt erkundigung einziehen sollte,“.

 

Bereits am 18. Juli 1676 berichtete der Berggeschworene in einem Schreiben an den Kurfürsten von Sachsen von seinen ersten Erkenntnissen aus dem Hohwald. Er schrieb unter anderem:
„…so habe ich gedachten Hochwald und ganzes Territorium über den Elbstrom gegen Ober- und Niederlausitz, vor allen Dingen in Augenschein genommen, da selbst in denen gründen und gestrengen Sicherungen gemachet, und so viel befunden, daß es, neben der Martialischen oder Eisenschüßigen eigenschaft sich meisten orte mit Corporalischen Golde anzuzeigen und beweisen thut, Wir denn absonderlich befunden bey Radeburgk, Stolpen, Neustadt und den daran stoßenden Hohwaldde, einen Flüßlein negst der so genanten roten Pfüzen hinder Otten – und Berthelsdorf gelegen, dass sich dieser orte Flammen Gold führen undt waschen leßet,“.

 

Der Hohnsteiner Pfarrer Johann Michael Weisse berichtet im Jahr 1729 ebenfalls vom Bergbau an der Roten Pfütze. Er schreibt:
Die eine ist die so genannte rothe Pfütze, fast mitten im Hoh-Walde, welche vor Zeiten mit Bohlen ausgeschehlet gewesen, heut zu Tage ziemlich verwachsen ist. Dadurch fließt ein mäßig Bächlein mit einem gülbigen röthlichen Sande, darvon sie den Nahmen hat, der wegen seiner Schwere sich als ein Schlich zusammen leget. Von dieser Pfütze, so durchs ganze Gebürge bekannt, ist die Tradition, dass vor alten Zeiten Italiäner, etliche nennen die Venetianer, kommen wären, hätten die Pfütze ausgeräumet, zu gut gemacht, darvon gezogen, und zu ihrer Zeit wieder kommen, welches eine geraume Zeit also gewähret.

Ein "Ruthengenger"

Weitere Berichte zu Goldvorkommen und Bergbauversuchen an der Roten Pfütze gaben am 26. April 1730 der Steiger Christof Petzold, der im Auftrage des Bergamtes „Gießhübel“ die Bäche des Hohwaldes untersuchte, und dabei die Rote Pfütze als „goldführend“ befand, sowie am 15. November 1746 der Bergmeister Otto aus Glashütte.

Obwohl es viele Berichte und auch Spuren ehemaliger Bergbautätigkeiten gibt, kann nicht genau gesagt werden, wer hier vor Jahrhunderten sein Glück gesucht hat.

Anders verhält es sich mit einem heute noch vorhandenen Bergwerk in Niederottendorf. Dieser Stollen befindet sich an einem ansteigenden Hang oberhalb eines Bauerngutes. Laut einer Beschreibung aus dem Jahre 1943 soll der Stollen allein zur Wasserförderung angelegt worden sein und eine Länge von 228 m haben.

Durch die Zusammenarbeit des Bergbau-Traditionsverein Hohwald e.V. mit dem Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V. wurde im September 2005 eine genaue Dokumentation dieses Bergwerks erstellt. Bei der Befahrung wurde der Stollen in einem guten Zustand vorgefunden.

Bei der Vermessung im Wasserstollen. - Bild:Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V
Bei der Vermessung im Wasserstollen. - Bild:Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V

Der Vortrieb erfolgte damals noch mit Schlägel und Eisen. Die vorhandenen Bohrlöcher belegen jedoch auch den Einsatz von Schwarzpulver-Sprengungen beim Stollenvortrieb. Die Gesamtlänge des Stollens beträgt 118 m bei einem gewundenen Gangverlauf. Nach 36 m findet sich eine eingehauene Inschrift an der Stollenwand, die den Zeitraum der Auffahrung dokumentiert:

Angefangen d: 20. July 1818
                                                                                            Ferdig d: 20. August 1819


Das im Stollen angesammelte Wasser wird über ein kleines Gerinne, das in die Stollensohle eingespitzt ist, zu einem Gesenk am Mundloch geleitet. Von dort fließt es über ein Rohr in einen Granittrog im Vorgarten des Bauerngutes.
Dieser Stollen ist ein eindrucksvolles Zeugnis der aufwendigen Wassersuche unserer Vorfahren und gilt es zu erhalten.

Blick in den Wasserstollen. - Bild:Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V
Blick in den Wasserstollen. - Bild:Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V