Die Bergbaugeschichte rund um das Dorf Steinigtwolmsdorf reicht weit zurück. Aus den alten Akten des Bergamtes Glashütte sind mehrere Bergwerksverleihungen überliefert. So wurde im Jahr 1561 eine Verleihung auf eine Fundgrube mit Erbstollen unter dem Namen „Die Neue Weldt“ auf Paul Wahlens an Hierwalde verzeichnet – wobei „Hierwalde“ möglicherweise auf den heutigen Hohwald hinweisen könnte. 1573 wird die Grube „Gabe Gottes auf Wolmsdorffer Güthern – am Falckenberg“ erwähnt, und im Jahr 1606 erscheint zudem das Bergwerk „Engel Gabriel auf Hans Keilhauerns“ als Fundgrube mit Erbstollen in den Unterlagen. Wo sich diese Gruben einst befanden, lässt sich auf Grund der aus heutiger Sicht ungenauen Ortsangaben leider nicht mehr feststellen.
Einige der alten Bergwerksanlagen geraten über Jahrhunderte in Vergessenheit – bis sie unerwartet als sogenannte Tagesbrüche wieder in Erscheinung treten. Solche Tagesbrüche entstehen, wenn alte Grubenbaue einstürzen und an der Oberfläche sichtbare Einsenkungen verursachen. Genau dies geschah im Mai 1978 südlich der „Sieben Linden“: Ein Traktor brach teilweise in unbekannte historische Grubenbaue ein. Die Bergsicherung Dresden wurde hinzugezogen und untersuchte die Schadstelle. Dabei entdeckte man einen etwa 25 Meter langen und 10 Meter breiten Hohlraum. Weitere Untersuchungen bestätigten das Vorhandensein weiterer Hohlräume in Tiefen von drei bis sechs Metern, die jeweils eine ungefähre Höhe von rund einem Meter aufwiesen. In östlicher Richtung vermutete man einen ehemaligen Stollenzugang, während man westlich einen verfüllten Schacht feststellte. Neben stark verwittertem Granodiorit trat auch Lamprophyr als anstehendes Gestein zutage. Dies legt nahe, dass in früherer Zeit sulfidische Erze abgebaut wurden – Erze, die häufig an den Kontaktzonen dieser beiden Gesteinsarten vorkommen. Um die Stabilität wiederherzustellen, wurden im Bereich der Schadstelle Bohrungen niedergebracht und die verbliebenen Hohlräume gezielt gesprengt, sodass sie kontrolliert einstürzten. Nach anschließender Verfüllung mit Erde sind heute keine sichtbaren Spuren dieses Bergbaus mehr vorhanden.
Ganz anders stellt sich die Situation bei einem Stollen dar, der unweit der zuvor beschriebenen Schadstelle liegt. Auch hier bleiben Grubenname, Betreiber und Entstehungszeit im Dunkel der Geschichte verborgen – es existieren keinerlei verwertbare Überlieferungen zu diesem Bergwerk. Vom Mundloch aus ist der Stollen auf einer Länge von etwa 16 Metern mit gesetzten Granitsteinen und Deckensteinen ausgebaut. Dahinter ist der Verlauf heute leider verbrochen. In den Jahren 1982 und 2003 waren Befahrungen jedoch noch möglich, sodass eine Vermessung durchgeführt werden konnte. Das Bergwerk, bestehend aus einer Hauptstrecke und vier Seitenstrecken, wies eine Streckenhöhe von rund einem Meter und eine Breite zwischen 80 Zentimeter bis 1,20 Meter auf. Die Gesamtlänge wurde mit etwa 93 Metern dokumentiert. Ein Abschnitt endete an einem Verbruch, hinter dem ein deutlicher Wetterzug spürbar war. Die befahrbaren Strecken waren in verwittertem Granodiorit ohne sichtbare Erzführung aufgefahren – somit bleibt auch hier das ursprüngliche Abbauziel weiterhin ein ungelöstes Rätsel. Das Mundloch dieses Stollens wurde von unseren Vereinsmitgliedern wieder in seiner ursprünglichen Tiefe freigelegt und von dem im Stollen hinterlassenen Müll vollständig beräumt. Besonderer Dank gilt hierbei Frank Heinzel für sein herausragendes Engagement. Zudem wurde durch den Bergbau-Traditionsverein Hohwald e.V. eine abschließbare Gittertür eingebaut, die gleichzeitig den Fledermäusen den Zugang zum Stollen ermöglicht.
Ein weiterer bemerkenswerter Stollen befindet sich auf einem steilen Grundstück am Bergstieg in Steinigtwolmsdorf. Für die frühen Siedler war es an dieser Stelle schwierig, mit herkömmlichen Brunnen an das dringend benötigte Trinkwasser zu gelangen. Daher legte man einen Stollen an, der bis heute zuverlässig Wasser liefert, welches aus Klüften im anstehenden Granit austritt. Das auf diese Weise gewonnene Wasser wird über eine kleine Rohrleitung vom Stollen in das Bauernhaus geleitet, wo es in einem Wassertrog aus Granodiorit gesammelt wird. Nachweislich bestand diese Leitung früher aus Holzrohren. Die Menge des Wasserzuflusses variiert je nach Jahreszeit und Witterung zwischen 5 und 30 Litern pro Stunde. Das Mundloch des Stollens – bestehend aus einem rund 30 Meter langen Hauptgang und einem kleinen Abzweig – ist aus Granitblöcken gemauert und trägt die Inschrift „18 J.G.R. 26“. Auch am Brunnentrog im Haus finden sich vergleichbare Initialen: „J.G.R.: J.C.R. Ano 1826“.
Das bekannteste Bergbaugebiet bei Steinigtwolmsdorf liegt westlich des Dorfes, am Rand des Hohwaldes. Am sogenannten Goldberg finden sich zahlreiche Pingen und Halden, die zwei Stollenanlagen zugeordnet werden können. Deren Geschichte soll hier natürlich ebenfalls kurz beleuchtet werden. Bereits am 2. September 1676 berichtete der Berggeschworene Christoph Brummet, der im Hohwald Nachforschungen anstellte, an den Kurfürsten: „… werden auf Einer Halden, imseit des Hochwaldes der Steinigtwolßdorffer seiten, beyliegende Kleine Land Steine gefunden, welche, wie man eigentlich noch an denen Quärzen sehen kann, Gangweise noch vor Orte in großer menge und auch größer stehen müßen.“ Dieser Bericht zeigt, dass Brummet bereits damals auf einer Halde zahlreiche Stücke von Gangquarz gefunden hat. Handelte es sich vielleicht um die Abraumhalde eines längst vergessenen Bergwerks? Heute weiß leider niemand mehr, welche genaue Stelle im Hohwald er beschrieben hat. Da jedoch am Goldberg ein Quarzgang vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass er dieses Gebiet auf der Suche nach Bodenschätzen erkundet haben könnte.

Wichtige Hinweise auf den historischen Bergbau bei Steinigtwolmsdorf liefert Johann Carl Freiesleben, der im Magazin für die Oryktographie (1846) Folgendes berichtet: „Zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurden bei Steinigt Wolmsdorf von einer noch 1693. dort gangbar gewesenen Grube, Kupferkiese verschmolzen, in denen man Gold vermuthete, man brachte aber nur kupferige Eisensauen aus, die man späterhin bei einer in Bautzen angelegten Schwefelhütte mit benuzte.“ Damit liegt bereits eine konkrete Jahresangabe zu einem Bergwerk sowie Hinweise auf dessen Abbauziel vor: Kupfererz und vermutetes Gold. Auch in der Topographia, Oder Historische Beschreibung des Churfürstl. Sächßischen Amts, Schlosses und Stadt Hohenstein aus dem Jahr 1729 wird der Steinigtwolmsdorfer Bergbau ausführlich erwähnt. Johann Michael Weisse schreibt dort: „Die andere Spur der Gold-Minen auf diesem Walde sind die Gold-Gruben, oder alten Schächte, so man vor Zeiten gebauet hat, und liegen geruhe vor dem Walde gegen Morgen über Steinigt Wolmsdorf, so dem Herrn Beyern in Dresden bishero zuständig. Die alten Schächte werden von Alters her die Gold-Gruben genennet, und bricht ein schöner starcker weisser Crystall und Kiesel-Quarz, darinne das Gold gute Art hat, oben mit lauter Böhmischen Diamanten und hellen Crystall-Flössen, grossen und kleinen, so artig bewachsen, daß sie der beste Stein-Schneider nicht zierlicher und künstlicher schneiden kan, wie sie in Dresden unter gewissen Leuten wohl bekannt seyn.“ Weiter führt Weisse aus: „Dieses alte Bergwerk ward vor ohngefähr 30. Jahren wieder aufgenommen, darbey ich selbsten 2. Kuxe gehabt. Es wurden auch bald Gold-Adern entdeckt, so durch den weissen Quarz in einer hohen Bräune und Schwärze durchstrichen, und zu hoffen war, daß bey Nieder-Tauffung sich alles würde edler und reichhaltiger finden lassen, so ist es doch geschehen, daß es wegen Armuth der Gewerken, deren die meisten waren, und lieber gesehen hätten, das die Kuxe zuerst heraus gekuckt, ehe sie dürfen Zubusse geben. So war das Werck zu schwach belegt, daß man hinter die Haltung so bald nicht kommen können. Zu solch wichtigen Dingen wollen auch wichtige Leute und Beutel seyn. Es gehet insgemein mit Bergwercken also, daß, die am ersten anbauen, nicht viel darvon geniessen, und mancher guter Ort etlichemal wieder aufgehet, ehe die Zeit kömmt, und die Leute, denen es Gott bescheren will.“ Diese ausführlichen Zeilen zeigen, dass der Hohnsteiner Pastor selbst am Bergbauprojekt beteiligt war und große Hoffnungen in die neu entdeckten Goldadern setzte. Letztlich scheiterte das Unternehmen jedoch am Geldmangel der Gewerken – ein Schicksal, das viele frühe Bergbauversuche teilten.
Ein weiterer Chronist, der Auskunft über den Bergbau bei Steinigtwolmsdorf gibt, ist Carl Christian Gercken. In seiner 1764 erschienenen „Historie der Stadt und Bergveſtung Stolpen“ berichtet er: „1698. hat man angefangen, das Bergwerck allhier , die Goldgruben genannt , zu bauen , welches aber a. 1702. wiederum liegen geblieben; iedoch hat man neuerlich wieder einen Anfang mit dem allhiesigen Berg - Bau gemacht“. Noch ausführlicher schildert Christian Heckel in seiner 1713 erschienenen „Historischen Beschreibung der Stadt Bischoffswerda“ die bereits erwähnten Unternehmungen am Goldberg: „Anno 1698 ist das Bergwerk allhier, die Gold-Gruben genannt, nach bergmännischer Einmuthung von Herrn Schlinzigken, Bergbeschworenen aus dem Bergamt Glashütte, befahren, mit Steiger und Bergleuten ordentlich bebauet, Schacht und Stollen getrieben und ein rechtes Bergwerk von 124 Kuxen aufgenommen worden. Weil aber die Gewerken, indem nicht alsobald erwünschte und zulängliche Ausbeute gegeben, müde worden, anno 1702 wieder liegen blieben.“ Auch hier wird deutlich, dass sich das Bergwerksunternehmen wegen ausbleibender Gewinne nicht selbst tragen konnte. Eine dringend benötigte Aufbesserung der Kasse blieb aus – vermutlich, weil die Gewerken nur zögerlich oder überhaupt nicht zusätzliche Mittel bereitstellten. Damit kam es erneut zur Einstellung der Arbeiten an den sogenannten Goldgruben.
Erst ab dem 18. Juli 1748 kam wieder Bewegung in den Goldberg. Der Generalakzisekommissar George Friedrich Hoyer aus Meißen setzte neue Hoffnungen in das alte Bergrevier und mutete die Grube. Er ließ den alten, verbrochenen Schacht bis zum Stollen beräumen und erneut ausbauen. Der Stollen erhielt den wohlklingenden Namen: „Goldgrube, Erbstolln am Hohen Walde bey Steinigtwolmsdorf, ohnweit Neustadt bey Stolpen gelegen“. Im Jahr 1748 arbeiteten hier ein Steiger, drei Schrämhäuer und ein Zimmerling; ab 1749 kam ein Grubenjunge hinzu. Der aufgefundene alte Stollen hatte eine Länge von etwa 40 Lachtern, also rund 80 Metern. Bis zum 3. Mai 1749 wurde er auf 55 Lachter erweitert. Ab Juni 1749 arbeitete der Steiger Renkewitz in der Goldgrube. Zuvor war er in der Grube Güte Gottes und König David Stolln zu Scharfenberg bei Meißen beschäftigt. Sein Wochenlohn betrug 1 Thlr. 6 gr. Abgebaut wurde ein Quarzgang, der folgendermaßen beschrieben wird: „Der stehende Gang, worauf der Stolln getrieben, ist ab und zufallend von ⅛ – ½ Lachter mächtig und besteht aus z. Zt. aus derben Quarz, welcher mit unter häufige und sehr helle Crystall=Drusen machet, in deren Höhlungen sich ein gelber Ocker, so 4 Loth silbert, befindet. Nun ist man Vorhabens einer Schlemmung der Gilbe anzustellen, damit man sowohl den Gehalt des Silbers, als auch den Verkauff der Farbe und des Ockers zu einiger Einnahme bringen könnte.“ Eine Erzprobe mit „glänzender Schwärze“, die in Freiberg untersucht wurde, ergab ½ Loth Silber auf einen Zentner Erz – etwa 7 Gramm Silber. Welches Erz dabei gemeint war, ist nicht überliefert. Die Gewerken waren mit dem geringen Erfolg und den anfallenden Kosten bzw. Zubußen zunehmend unzufrieden. Viele wollten im Dezember 1749 aufgeben und keine Gelder mehr zahlen. Die fehlenden Zubußgelder führten schließlich dazu, dass den Bergleuten ihr Lohn nicht mehr gezahlt werden konnte. Sie verließen die Grube, versuchten ihre ausstehenden Löhne bei den Kuxinhabern einzutreiben und neue Mittel für den Weiterbetrieb zu beschaffen.
Anfang 1750 begann man unterhalb des alten Stollens einen neuen Schacht in den Hang des Goldbergs zu treiben, in der Hoffnung, dort besseres Erz und weniger Wasserprobleme zu finden. Ein heute leider verschwundener Grubenstein mit der Inschrift „DEN XVI FEBR. MDCCL“ (16. Februar 1750) zeugte von diesem Neubeginn. Bereits im August 1750 war der neue Stollen 28 Lachter vorangetrieben. Das Gestein wurde mit zunehmender Tiefe standfester, sodass man neben Schlägel und Eisen nun auch Schwarzpulver einsetzte. Am 11. August 1750 trat der Steiger Chr. Fr. Männigen aus dem Stollen Edle Krone in Höckendorf seine Arbeit in der Goldgrube an. Neben ihm waren ein Häuer, ein Zimmerling und ein Knecht beschäftigt. Trotz erneuter Wassereinbrüche waren diesmal 111 Kuxe vergeben. 1753 erreichte der Stollen eine Länge von 93 Lachtern und besaß ein Lichtloch. Im Mai 1754 traf man auf den bereits im alten oberen Stollen abgebauten Gang. Vom dort gewonnenen Erz wurden vier Proben nach Dresden geschickt:
Die erste Probe ergab 40 Pfund Schwarzkupfer und ¼ Loth Silber pro Zentner Erz.
In der zweiten und dritten Probe fand sich kein Metallgehalt.
Die vierte Probe enthielt 30 Pfund Schwarzkupfer, jedoch kein Silber.
Schwarzkupfer besteht zu etwa 95 % aus Kupfer, enthält jedoch verschiedene Begleitminerale. Eine weitere Erzprobe aus 1755 ergab nur noch 17 Pfund Garkupfer und ¼ Loth Silber pro Zentner Erz. Zwar besitzt Garkupfer einen höheren Reinheitsgrad von rund 99 %, doch die Menge war eindeutig zu gering, um den Fortbestand der Goldgrube zu sichern. 1756 löste sich die Gewerkschaft vermutlich auf, und der Grubenbetrieb wurde eingestellt. Eine Rolle dürfte auch der Beginn des Siebenjährigen Krieges gespielt haben – in solch unsicheren Zeiten wollte kaum jemand sein Geld in riskante Bergbauvorhaben investieren.
Es ist möglich, dass in den Jahren 1763 bis 1764 erneut bergbauliche Aktivitäten in den alten Gruben am Goldberg stattgefunden haben. Verschiedene Hinweise deuten zumindest darauf hin. Ein Beispiel liefert eine Zeitungsnotiz über neue, jedoch keinen Gewinn bringende Bergwerke in der Nähe von Dresden, in der auch ein Bergwerk im Hohwald erwähnt wird. Ein Auszug daraus lautet: „Mich bewegt, diesen Vorfall um so mehr bekannt zu machen, als dieses der zweyte Fall, der mir hier in gar kurzer Zeit nach einander vorgekommen, da zu Neustadt im Amte Hohenstein, auf dem sogenannten Hohwald, ich ohnlängst auch einen solchen Steinbruch befahren, in welchem nichts als Quarz und Glimmer im Anbruche, und woselbst sich die dahin bestellte Interessenten kurz vor meiner Hinkunft aus dem Staube gemacht“. Es wäre denkbar, dass hier erneut jemand versuchte, die alten Goldgruben in Betrieb zu nehmen. Die Erwähnung eines Quarzganges stellt zumindest einen Hinweis auf das Gebiet dar. Allerdings scheint auch dieser Versuch erfolglos geblieben zu sein, da die Grube zum Zeitpunkt der Begehung bereits wieder verlassen war und nur noch als „Steinbruch“ bezeichnet wurde. Auch ein Grubenstein mit der Jahreszahl 1776, der im Wasserlauf des oberen Stollens gefunden wurde, deutete auf Aktivitäten in dieser Zeit hin. Leider ist dieser Stein ebenso wie der Grubenstein des unteren Stollens seit den 1980er Jahren spurlos verschwunden.
Im Jahr 1787 unternahm der Bergmann Joh. Daniel Dietze den nächsten Versuch, das alte Bergwerk am Goldberg wieder zum Leben zu erwecken. Er fand in der Umgebung von Bautzen 50 Personen, die ihm 24 ½ Kuxe – also Grubenanteile – abkauften, um dieses Vorhaben zu unterstützen. Doch anstatt den Grubenbetrieb aufzunehmen, verschwand Dietze mit dem gesammelten Geld, das eigentlich für die Arbeiten am Bergwerk bestimmt war. Am 9. Mai 1787 wurde der flüchtige Joh. Daniel Dietze schließlich in Freiberg festgesetzt. Damit nicht alles verloren war, mutete einer der betrogenen Anteilseigner, ein gewisser Herr Tropsch aus Bautzen, am 12. Juli 1787 die Grube selbst. Doch auch dieses Mal war dem Bergbauunternehmen kein Erfolg beschieden. Bereits 1788 wird berichtet, dass „unendlich viel Zank“ in die Gewerkschaft gekommen sei. Schließlich wurden sogar der Steiger Friedrich und der Bergmann Leonhardt aus der Grube verwiesen. Der Schichtmeister Chr. Gottfried Sinz, der die Aufsicht über den Grubenbetrieb führte, schrieb dazu: „Spitzbuben hätten die Rechnungen geführt“. Im Jahr 1788 enden die Nachrichten über diesen Bergbau. Die Gewerkschaft löste sich erneut auf – und am Goldberg kehrte wieder Ruhe ein.
Der Chronist Gustav Hermann Schulze erwähnt die Goldgruben in seinem 1883 erschienenen Werk „Der Valtenberg“ mit folgenden Worten: „Die ziemlich ausgedehnten Stollen existieren heutigen Tages noch im sogenannten Goldberge, die Goldgruben, sind aber verrollt. Einer wurde 1846 geöffnet. Die Goldgruben geben kein Gold, sondern nur hübsche Bergkrystalle und aus ihren reichen Quellen einen erheblichen Zufluß zur Wesenitz…“ Wer den Stollen im Jahr 1846 öffnete und zu welchem Zweck, ist heute nicht mehr bekannt. Seit dieser Zeit herrschte schließlich wieder Ruhe im Goldbergwald.
Bei den Einheimischen wie auch unter Mineralienkundigen waren die sogenannten Goldbergwiesen seit jeher für ihre wunderschönen Bergkristalle bekannt, die man dort auf den alten Halden finden konnte. Sicherlich hat jedes Kind der umliegenden Dörfer irgendwann einmal im Wald nach den klaren Kristallsplittern gesucht und diese begeistert gesammelt. In den 1970er Jahren setzte dann eine intensive Sammeltätigkeit am Goldberg ein. Zahlreiche Mineraliensammler durchsuchten die alten Abraumhalden nach begehrten Bergkristallen. Zeitweise wurden sogar beide Stollen wieder geöffnet, um an schöne Sammlerstücke zu gelangen. Da die alten und brüchigen Stollen teilweise offen blieben, Halden abgetragen, Bäume untergraben und immer mehr Löcher im Wald entstanden, kam es immer wieder zu Konflikten mit den Waldeigentümern. Ende der 1970er Jahre wurde schließlich die Bergsicherung Dresden hinzugezogen. Sie führte Vermessungsarbeiten in den noch zugänglichen Stollenbereichen durch und dokumentierte den Zustand des Grubengebietes.
In den Jahren 1986 und 1987 erfolgten im Auftrag des Barockschlosses Rammenau Befahrungen des unteren Stollens. Vier Fachleute stiegen durch einen bis an die Oberfläche reichenden Firstbruch in das Bergwerk ein und erkundeten es in mehrstündigen Aktionen. Der Stollen wurde dabei fachmännisch vermessen und umfassend fotografisch dokumentiert. Außerdem untersuchte man, ob sich der Stollen als Schaubergwerk eignen könnte. Diese Idee zerschlug sich jedoch aus mehreren Gründen. Die wichtigsten Hindernisse waren: die Enge des Stollens, die ein sicheres und reibungsloses Führen von Besuchergruppen kaum zulässt, sowie das Fehlen eines zweiten Ausganges, der aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig wäre. Zwar wurde angemerkt, dass ein entsprechendes Projekt durchaus attraktiv sein könnte, wenn die oberen Sohlen mit den Abbauorten des Quarzganges einbezogen würden. Dafür hätten jedoch eines der ursprünglichen Mundlöcher neu hergerichtet und ein verdeckeltes Lichtloch wieder geöffnet werden müssen. Zu einer Umsetzung kam es jedoch nie.

Es wird berichtet, dass in den folgenden Jahren immer wieder Schwarzbefahrer durch den bekannten Einstieg in den Stollen gelangten – in der Hoffnung, noch einige schöne Bergkristalle zu finden. Der Grundstückseigentümer, auf dessen Gelände sich der Stollen befindet, wollte den Zugang aus Sicherheitsgründen dauerhaft verschließen lassen. Um diesen historischen Bergbau jedoch der Nachwelt zu erhalten und bergbauinteressierten Besuchern auch zukünftig eine ordnungsgemäße und gesicherte Befahrung zu ermöglichen, entstand eine Partnerschaft mit dem Bergbau-Traditionsverein Hohwald e. V. Der Verein erhielt vom Sächsischen Oberbergamt die Genehmigung, einen gesicherten Zugang zum unteren Stollen zu errichten. Im Jahr 2010 begann schließlich die Umsetzung dieses Vorhabens. Im Bereich des bekannten Einbruchs wurden im Laufe zahlreicher Arbeitsstunden rund 40 m³ Steine und Erde per Handschachtung von den Vereinsmitgliedern zu Tage gefördert. Unterstützung erhielten sie dabei vom Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden e. V. Im Juli 2010 erreichte man in etwa sechs Metern Tiefe die Sohle des alten Bergwerks. Dort wurde ein Fundament gegossen und ein gesicherter Einstiegsschacht aus Betonringen bis zur Oberfläche errichtet. Der sichtbare Teil des Einstiegs wurde aus Granodioritsteinen gemauert. Über dem Tor setzte man einen neu angefertigten Schlussstein ein, der sich an dem heute leider verschwundenen historischen Grubenstein orientiert und die Inschrift trägt: „DEN XVI FEBR. MDCCL“ Nachdem das Außengelände rund um den Einstieg zusätzlich mit zwei Trockenmauern und stabilen Geländern versehen worden war, konnte das Projekt Stollensicherung zunächst erfolgreich abgeschlossen werden.

Wie sieht es denn heute im und um den Stollen aus? Unterhalb des heutigen Einstieges, der als Kreuzungspunkt zweier alter Stollen angenommen wird, erkennt man zwei grabenartige Vertiefungen. Ein Graben verläuft in südliche Richtung und endet am Waldausgang. Dort befand sich bis in die 1980er Jahre der heute leider verschwundene Grubenstein mit der Inschrift „DEN XVI FEBR. MDCCL“. Wo sich dieser Stein mittlerweile befindet, scheint ein Geheimnis zu bleiben. Am Ende des Grabens tritt das anfallende Grubenwasser des unteren Stollens aus. Dieses Wasser wird ab dem vorderen Teil des Bergwerkes in einem mit Granitplatten verdeckelten „Kanal“ abgeleitet.

Neben dem Wasseraustritt liegt eine Halde, auf der laut den Berichten von 1986/87 kein Material mit Bohrlochpfeifen zu finden ist. Deshalb ordnet man diese Halde der ältesten Bergbauperiode zu. Ob der tiefe Graben ursprünglich so angelegt wurde oder ob er als Verbruch eines Stollens entstand, lässt sich nicht mehr sicher bestimmen. Der zweite Graben, weniger tief, verläuft vom heutigen Einstieg aus nach Westen und stellt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen verbrochenen Stollen dar. Auch er endet zwischen zwei Abraumhalden. Hier findet sich allerdings Material mit Bohrlochpfeifen – also aus einer jüngeren Bergbauphase. Vielleicht wurde dieser Stollen als neuer Zugang zum Bergwerk angelegt, nachdem der ältere bereits verbrochen war. Dies sind jedoch nur Vermutungen.

Steigt man über den Schacht in das Bergwerk hinab und befährt den Stollen in südliche Richtung, erreicht man nach etwa zwölf Metern einen Querschlag, der nach Westen abzweigt. Am Ende des rund 13 Meter langen Seitenganges steht ein nur etwa ein Zentimeter breiter Ockergang an, der wohl einst das bergmännische Ziel war. Die gesamte Strecke wurde damals per Hand mit Schlägel und Eisen in den Fels getrieben. Etwa zwei Meter entfernt vom Abzweig befindet sich in der Firste ein mit Granitplatten abgedeckter Schacht. Dessen Lage war früher an der Oberfläche als flache Mulde erkennbar, ist jedoch inzwischen verfüllt. Ob über diesen Schacht eine weitere, sehr oberflächennahe Sohle erreicht werden konnte, lässt sich nicht nachweisen. Allerdings wurde bei Befahrungen ein Wetterzug festgestellt – ein Hinweis auf noch verborgene Hohlräume?
Ab dieser Stelle bekommt man bei einer Befahrung nasse Füße, da hier der verdeckelte Kanal endet und das Grubenwasser auf der Sohle fließt. Der Stollen ist ab dem Schacht in standfestem Granodiorit aufgefahren. Die markanten Spuren der mühsamen Schlägelarbeit sind bis heute deutlich erkennbar. Daneben finden sich zahlreiche Bohrlochpfeifen – Reste der Bohrlöcher für Schwarzpulverladungen. Beim genauen Hinsehen erkennt man gegenläufige Spuren: einige stammen vom ursprünglichen Vortrieb, andere von späteren Erweiterungen des Stollens. Entlang der östlichen Stollenwand finden sich zudem mindestens zehn Gedingezeichen beziehungsweise Quartalswinkel. Die eingeschlagenen Winkel dienten dazu, den Fortschritt des Vortriebs im jeweiligen Quartal festzuhalten und bildeten zugleich die Grundlage für die Abrechnung des Grubenbetriebes. Bei einer Befahrung im Jahr 1987 wurden die damals sichtbaren Quartalsstufen eingemessen. Die ermittelten Vortriebe lagen zwischen 7,4 und 15 Metern pro Quartal, was etwa 10 bis 20 Zentimetern pro Tag entspricht. Es gibt jedoch auch Zeichen in Form eines „X“ und andere, deren Bedeutung umstritten ist. Fast am Ende der heute noch auf rund 140 Metern befahrbaren Strecke verzweigt sich der Stollen.

Die östliche Abzweigung ist etwa sieben Meter lang und endet in einer etwas erweiterten Kammer, in der ein pegmatitisches Gefüge ansteht. Der andere Gang verläuft rund zehn Meter in leicht westlicher Richtung und endet an einem verbrochenen Schacht, der an der Oberfläche als Pinge mit anliegendem Haldenmaterial sichtbar ist. Aus diesem Schacht – von dem vermutlich noch mindestens eine weitere Sohle in den Berg führt – rutscht loses Gesteinsmaterial in den unteren Stollen nach. Hinter den Verbruchmassen im Stollen steht ein etwa 30 Zentimeter breiter Quarzgang an. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um jenen Gang, den man im Mai 1754 voller Hoffnung erreichte und der einst wertvolles Erz liefern sollte. Vermessungen ergaben, dass der Schacht etwa 26 Meter Teufe besitzt. Oberhalb dieses Schachtes findet man im Wald auch heute noch weitere Schachtpingen, Haldenreste und den verbrochenen Stolleneingang des oberen und ältesten Bergwerkes. Von dort bahnt sich das austretende Grubenwasser als kleines Bächlein seinen Weg durch den Wald hinab Richtung Wesenitz. Doch so reizvoll die Vorstellung von funkelnden Bergkristallen auch sein mag – von Grabungen im historischen Bergbaugelände sollte dringend abgesehen werden. Jeder Eingriff zerstört unwiederbringlich die letzten sichtbaren Spuren des alten Bergbaus – und das nur für ein paar kleine Kristalle, denn die Zeit der großen Funde ist längst vorbei.
Wer Interesse hat, das Goldberg-Gelände bei einer kurzen geführten Tour zu erkunden, kann gerne Kontakt aufnehmen. Vor Ort werden die Anlagen gezeigt und ergänzend Bildmaterial präsentiert. E-Mail: Hohwaldgold@web.de Telefon: 0162 60 64 909 Wir finden sicher einen passenden Termin für eine gemeinsame Besichtigung und laden dazu ein, die Geschichte des Goldberg-Bergbaus hautnah zu erleben.